Wir wollen immer artig sein...
Wir wollen immer artig sein...
Sicher gibt es bessere Zeiten, doch diese war die unsere. Das Buch zum Lebensgefühl einer ganzen Epoche – der Klassiker endlich als Taschenbuch.
Dieses Buch ist die erste umfangreiche Darstellung der jungen, unabhängigen Musikszene in der DDR seit Ende der siebziger Jahre. Es beschreibt die regional unterschiedlichen Anfänge und Entwicklungen von Punk-Rock und Untergrund in der DDR, die Entstehungsbedingungen und die kulturellen Wurzeln, so die Avantgarde- und Free-Jazz-Szene, die Blues-Messen und den Alternativ-Rock.
DIESER TITEL IST DERZEIT NICHT LIEFERBAR.
Das Buch
Es war der Aufbruch einer neuen Musikergeneration jenseits des staatlich verordneten und kontrollierten Rock-Mainstreams und des FDJ-Kulturbetriebes. Diese Punk-, New Wave-Bands und künstlerischen Projektgruppen (wie Schleim-Keim, Wutanfall, Paranoia, Namenlos, Rosa Extra, Ornament & Verbrechen, Feeling B, die anderen, Herbst in Peking, AG Geige u.a.) trafen sich in Kellern, in öffentlich besetzten Räumen oder spielten bei halblegalen Konzerten in Kirchen, Wohnungen, Ateliers und Gartenlauben. Zu dieser inoffiziellen Kultur gehörten auch junge Dichter, Maler, Fotografen und Performance-Künstler, es entstanden multimediale Projekte. Losgelöst von staatlichen Vorgaben, Restriktionen und monopolisierten Produktionsbedingungen brachten verschiedene Bands, lose Projektgruppen und halblegale Label in völliger Eigenregie Platten- und Kassettenproduktionen heraus.
Im Gegensatz zur vorangegangenen Künstlergeneration hatten sich diese Künstler ideell und künstlerisch von der DDR verabschiedet und ihre eigenen, persönlichen Haltungen und Ansichten formuliert. So entwickelte sich in dieser größtenteils nur Insidern zugänglichen Szene ein neues ästhetisches und politisches Selbstverständnis.
Die Herausgeber haben in jahrelanger Arbeit Material zusammengetragen und recherchiert, sie konnten über 33 kompetente Autoren und Gesprächspartner gewinnen, so Bert Papenfuß, Christoph Tannert, Lutz Schramm, Peter Wawerzinek, Jan Faktor, Peter Böthig, André Greiner-Pol, André Herzberg, Otze u.a., die diese Zeit aktiv miterlebt haben.
Der Inhalt
• Punk, Provokation, Paranoia und Parties: die Anfänge und nachfolgende Entwicklungen, beleuchtet in Gesprächen mit Vertretern unterschiedlichster Musikrichtungen und Stile: Punk, Rock, Heavy Metal, Blues, Jazz, Avantgarde
• Der DDR-Underground in Berlin, Leipzig, Dresden, Chemnitz (Karl-Marx-Stadt) und in Thüringen, etliche Fallbeispiele, erzählt von Zeitzeugen
• Übergreifende Konzepte, die Zusammenhänge von Musik, bildender Kunst, Literatur, Performance, Home-Recording, Covergestaltung und Audio-Art
• Stasi, Spaß und E-Gitarren
• Im Bärenfell am Arsch der Welt: Ostberliner Poeten und Musiker
• Von Renft bis AG Geige. Mit Trommelstöcken auf Patrouille: A.R. Penck als Musiker
• Zonenpunk in Scheiben: die erste Punkplatte aus dem nahen Osten
• Jugendtanz aus kontrolliertem Anbau. Die Entwicklung ab Mitte der 80er Jahre: Die Fronten zwischen offizieller und inoffizieller Kultur weichen auf.
• Rap is in the house: HipHop in der DDR
• Die letzten Tage von Pompeji: die Musikentwicklung unter den neuen Bedingungen vom Fall der Mauer bis zum Ende der DDR
• Bislang unveröffentlichte Fotos, Typoskripte, Handzettel, Rocktexte, Cover u.a. Materialien
• Der Anhang: ein Dokumentationsteil, eine umfangreiche Disko- und Kassettografie und ein Literaturverzeichnis.
Der Autor
Ronald Galenza, geb. 1957 in Berlin (Ost), Journalist. Seit 1986 Musikbeiträge über alternative Musik für Radio DT 64, ab 1990 fester Musikredakteur bei DT 64 mit eigener Musiksendung. Jetzt bei Radio Fritz (RBB) beschäftigt.
Heinz Havemeister, geb. 1958 in Eisenberg/Thüringen, 1982-1987 Studium der Kunstwissenschaft in Berlin, ab 1988 Mitherausgeber der originalgrafischen Zeitschrift Liane, Mitglied der Bolschewistischen Kurkapelle Schwarz-Rot, Beteiligung an Theaterproduktionen, Beiträge in Bildende Kunst, taz, zitty etc.
Die Presse
»Wer das hervorragend bebilderte Werk liest, weiß alles über jeden, der im letzten DDR-Jahrzehnt den Pogo tanzte und staatsunabhängig zur Gitarre griff.« Die Zeit
»Eine exzellente Textsammlung, die nicht nur durch ihren Umfang imponiert. Ein lebendiges Bild von dem täglichen Kampf, sich in der DDR als renitenter Jugendlicher zu behaupten. Die ungezügelte, rohe Wut des Punkrock funktionierte als Kraftkern einer Subkultur, die sich nicht auf eine bessere Zukunft vertrösten lassen wollte.« Der Tagesspiegel
»Ein merkwürdiges Konglomerat aus Kunst- und Erinnerungstexten, bierseligen Gesprächsnotizen, recycelten Zeitungsaufsätzen und sauber recherchierten Grundsatzartikeln. Wer das hervorragend bebilderte Werk liest, weiß alles über jeden, der im letzten DDR-Jahrzehnt den Pogo tanzte und staatsunabhängig zur Gitarre griff. Jeder Tag hat eine Nacht, brüllte Sascha Anderson in das Mikro seiner Band Fabrik und beschrieb damit wohl selbst am treffendsten den schizophrenen Schwebezustand, in dem sich die DDR-Subkultur befand.« Die Zeit
»In ihrer Abwendung vom sozialistischen Biedermeier und unter dem begrenzten Einfluss westlicher Subkulturen bildeten sich eigene Sprachformen, Ästhetiken und Kulturen heraus, die sich dem ostdeutschen Mainstream entzogen und dennoch in den kleinen Netzwerken der DDR-Subkulturen verständlich waren. Bei der Lektüre dieses Bandes erfährt man neben den subtilen Formen staatlicher Repression fast im Vorübergehen eine Reihe von erhellenden Fakten über den Zerfall des kulturellen und gesellschaftlichen Zusammenhangs in der untergehenden DDR.« Die Welt
»Das mit Abstand beste Buch zum Thema. Artig rastert das Netz des DDR-Underground chronologisch, ästhetisch, regional und politisch. Was der Westen nicht glauben mag. DDR & Szene war janusköpfig: einerseits grau & Regen, andererseits bunt & Erde.« TAZ
»Die beiden Herausgeber zeigen ein Spektrum der Möglichkeiten systemferner Rockmusik in den letzten Jahren der DDR auf, das mehr über die Musik und auch über die DDR aussagt als manch vorgeblich allwissendes Werk.« Sächsische Zeitung
»Das vorliegende Buch ist eine Art Standardwerk des musikalischen DDR-Untergrunds. Erstmals erschien es 1999 und war damals schnell vergriffen. Nun liegt es in einer überarbeiteten und erweiterten Taschenbuchausgabe vor. Und so erfährt der Leser faktenreiche und spannende Details über Menschen, die aus den Gegebenheiten des Sozialismus das Beste machten – und Spaß dabei hatten. Neben den umfangreichen Ausführungen über die Punkbewegung bringen die Berichte zur DDR-Skinhead-Bewegung interessante Erkenntnisse. Neu in diesem Band sind auch die Wahrnehmung des musikalischen Untergrundes in Fanzines in Ost und West und die Beiträge zur subkulturellen Szene in Sachsen-Anhalt. Und da fragt sich der Leser natürlich, was aus all den rebellischen Musikaktivisten geworden ist. Auch dazu bieten die Autoren interessante Einblicke. Hilfreich sind auch die Diskografie und die Literaturhinweise. Endlich einmal ein anderes Geschichtsbuch über die DDR, das sicher vor allem Jugendliche interessieren wird. Sehr zu empfehlen!« lehrerbibliothek.de
Die Daten
- Wir wollen immer artig sein...
- Punk, New Wave, HipHop, Independent-Szene in der DDR 1980 – 1990
- Herausgeber Ronald Galenza und Heinz Havemeister
- Umfang ca. 500 Seiten
- Etwa 200 Abbildungen
- Taschenbuch
- Erscheint im Juli 2005
- ISBN 3-89602-637-2
- 14,90 Euro

